Lehmfarbe kann auf vielen festen Innenflächen gestrichen werden. Entscheidend ist weniger die Materialart allein, sondern der Zustand der Oberfläche.
Der Untergrund sollte fest, sauber, trocken, tragfähig, nicht staubig, nicht abbröckelnd und nicht versiegelt sein. Alte Anstriche müssen fest haften und dürfen sich beim Streichen nicht lösen.
Der Untergrund sollte sein:
Wenn diese Punkte erfüllt sind, ist die Materialart des Untergrunds oft weniger entscheidend als der tatsächliche Zustand der Fläche.
Für Lehmfarbe kommen viele feste und tragfähige Innenflächen in Frage. Dazu gehören zum Beispiel mineralische Putze, Gipsputz, Kalkputz, Lehmputz, Gipskarton / Rigips, Raufasertapete und tragfähige matte Altanstriche.
Wichtig ist, dass die Oberfläche nicht kreidet, nicht abbröckelt und weder stark abweisend noch versiegelt ist.
Zum Beispiel Kalkputz, Kalkzementputz, Zementputz oder Gipsputz. Wenn die Fläche fest, sauber und nicht versiegelt ist, lässt sich Lehmfarbe in der Regel gut auftragen.
Lehmputz ist ein besonders passender Untergrund für Lehmfarbe. Material und Aufbau passen gut zusammen. Lehmputz ist aber nicht erforderlich, damit Lehmfarbe verwendet werden kann.
Auch Gipskartonplatten und Rigips können mit Lehmfarbe gestrichen werden, wenn die Oberfläche fest, sauber und tragfähig vorbereitet ist. Wichtig sind eine saubere Verspachtelung, eine gleichmäßige Fläche und ein nicht versiegelter Untergrund.
Raufaser kann geeignet sein, wenn sie fest an der Wand haftet, nicht abwaschbar beschichtet, nicht stark abweisend und nicht versiegelt ist.
Gut sitzende, matte Altanstriche kommen grundsätzlich in Frage. Wichtig ist, dass sich die alte Farbe beim Streichen nicht löst und nicht auf der Walze hängen bleibt.
Glatte Flächen sind nicht automatisch ein Problem. Auch Putzleisten können mit Lehmfarbe überarbeitet werden, wenn die Oberfläche fest und sauber ist. Eine kleine Testfläche ist hier sinnvoll.
In vielen Fällen ist keine eigene Grundierung für Lehmfarbe nötig. Der erste Anstrich mit Lehmfarbe übernimmt bereits eine ausgleichende Funktion.
Auch bei unterschiedlich saugenden Bereichen kann die Lehmfarbe nach weiteren Anstrichen ein gleichmäßigeres Flächenbild ergeben. Entscheidend ist, dass die Oberfläche tragfähig bleibt.
Eine Vorbereitung ist vor allem dann nötig, wenn der Untergrund staubt, abbröckelt, sich alte Farbe löst oder die Fläche versiegelt ist.
Manche Untergründe sind nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sollten aber vor dem Streichen geprüft werden.
Entscheidend ist nicht die Bezeichnung der alten Farbe, sondern ob sie noch tragfähig ist. Wenn sich der alte Anstrich beim Streichen löst und auf der Walze hängen bleibt, muss der Untergrund zuerst vorbereitet werden.
Wenn beim Darüberreiben deutlich Staub oder Kreide an der Hand bleibt, sollte die Fläche zuerst gereinigt oder verfestigt werden.
Auf dichten oder versiegelten Flächen kann die Haftung eingeschränkt sein. Hier ist eine kleine Testfläche sinnvoll.
Holzwerkstoffe können problematisch sein, wenn Harz, Inhaltsstoffe oder Verfärbungen durch die Farbe schimmern. Deshalb ist hier eine Testfläche besonders wichtig.
Fliesen, Glas, Metall und Kunststoff sind keine typischen Anwendungsuntergründe für Lehmfarbe. Diese Flächen sind sehr dicht und meist wenig oder gar nicht saugfähig. Lehmfarbe sollte dort nicht als normaler Wandaufbau eingeplant werden.
Dauerhaft feuchte Untergründe sind für Lehmfarbe nicht geeignet. Die Fläche muss trocken sein und dauerhaft trocken bleiben.
Mit einfachen Tests kannst du einschätzen, ob ein Untergrund für Lehmfarbe geeignet ist.
Wischtest
Reibe mit der Hand über die Fläche. Bleibt deutlich Staub oder Kreide zurück, sollte der Untergrund zuerst gereinigt oder verfestigt werden.
Kratztest
Fahre mit dem Fingernagel oder einem Spachtel leicht über den bestehenden Anstrich. Löst sich Material leicht ab, ist die Fläche nicht stabil genug.
Wassertropfen-Test
Gib ein paar Tropfen Wasser auf den Untergrund. Wird die Stelle schnell dunkler, nimmt die Oberfläche Wasser auf. Das ist ein Hinweis auf einen offenen, saugfähigen Untergrund.
Dauert es lange, bis die Stelle dunkler wird, ist die Oberfläche nur wenig aufnahmefähig. Bleibt das Wasser stehen oder perlt es ab, nimmt die Oberfläche kaum oder kein Wasser auf.
Der Test zeigt aber nur das Saugverhalten. Ob der Untergrund wirklich geeignet ist, hängt auch davon ab, ob die Fläche fest, tragfähig und nicht kreidend ist. Deshalb sind Wischtest, Kratztest und eine kleine Testfläche zusätzlich sinnvoll.
Probeanstrich
Trage an einer kleinen Stelle etwas angerührte Lehmfarbe mit der Walze auf. Wenn sich der bestehende Anstrich löst, abgezogen wird oder alte Farbe auf der Walze hängen bleibt, ist der Untergrund
nicht ausreichend tragfähig.
Gerade bei Renovierungen, Altanstrichen, Holzwerkstoffen oder gemischten Untergründen ist eine kleine Testfläche sinnvoll. So lässt sich vorab prüfen, wie sich der Untergrund beim Auftrag verhält und ob vor dem Streichen noch eine Vorbereitung nötig ist.
Wenn du dafür nur eine kleine Menge brauchst, können Muster aus dem Muster & Farbkatalog sinnvoll sein.
Hinweise zur Vorbereitung und zum Auftrag findest du in der Anleitung.
Wenn sich der Untergrund nicht sicher einordnen lässt, ist eine kurze Anfrage sinnvoll.